FABI Bocholt

Lebensfragen - Ethik

Der große Raubzug - Die Ausplünderung der Juden in Bocholt

Referent*in

Wolfgang Buschfort

Fachbereich

Lebensfragen - Ethik

Kursort

Bocholt; Ostwall 39; FBS Bocholt; Saal

Der Große Raubzug – Die Ausplünderung der Juden in Bocholt
Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Bocholt sahen zahlreiche Kaufleute und Unternehmer, aber auch einfache Bürger ihre Chance: Sie übernahmen Häuser, Geschäfte, Fabriken, Kunstwerke und ganze Wohnungseinrichtungen zu Dumpingpreisen. Wenn denn überhaupt gezahlt wurde. Die Stadt Bocholt selbst übernahm Grundstücke von Juden. Das Bedrückende dabei: Die Täter waren im Regelfall keine Nazis. Sie kamen aus dem bürgerlichen katholischen Milieu und hatten sich teilweise gar nicht oder erst sehr spät der NSDAP als nominelle Mitglieder angeschlossen. Es ging ihnen schlicht darum, die Chance zu ergreifen, preiswert Häuser, Fabriken und Geschäfte auf Kosten der Juden zu erwerben. Die Voraussetzungen hierfür schuf der NS-Staat mit Sondersteuern und Abgaben sowie Rechtseinschränkungen für Juden. Und in Bocholt die nahezu komplett zur NSDAP übergelaufene Stadtverwaltung mit willkürlichen Preis-Festlegungen für Immobilien.
Nach dem Krieg sollten die Juden entschädigt werden, die Britische Besatzungsmacht und der Bundestag hatten Restitution und Wiedergutmachung beschlossen. Doch die Profiteure der NS-Zeit weigerten sich vielfach: Die Vermögenswerte seien nicht mehr aufzutreiben oder es habe sie nie gegeben, die übernommenen Warenlager seien wertlos, die Immobilienqualität schlecht gewesen. Außerdem sei alles mit rechten Dingen zugegangen. Die Juden hätten auch verkauft, wenn die Nazis nicht regiert hätten, behaupteten sie. Eine Entschädigung sei daher nicht zu zahlen. Einer ging so weit zu sagen, die Juden seien nach ihrer Flucht nach Holland nicht mehr bedroht gewesen, daher treffe das Entschädigungsgesetz gar nicht auf sie und ihn zu. Wehren konnten sich die Juden nach dem Krieg kaum: Die ursprünglichen Besitzer waren vielfach ermordet, die Erben kannten nur Teile des Vermögens. Und in der Stadt Bocholt fertigten dieselben Personen Gutachten für die Entschädigungsgerichte an, die wenige Jahre zuvor die Dumpingpreise festgesetzt hatten.
Die Juden mussten oftmals Jahrzehnte für ihr Recht kämpfen, die letzten Gelder für Bocholter Juden wurden 1974 gezahlt. So blieb fast alles in der Hand der Nutznießer des NS-Regimes. Sie zahlten kleine Entschädigungen und konnten weitermachen wie bisher. Mit ihren übernommenen jüdischen Geschäften, Wohnhäusern und Fabriken.
Biographisches:
Wolfgang Buschfort, geb. 1961, ist Bocholter und besuchte hier die Bodelschwingh-Grundschule und das Euregio-Gymnasium. Promoviert als Dr. rer soc. Journalist bei WDR und ZDF mit dem Schwerpunkt Islamismus und Gesundheitspolitik. Seine Recherchen führten zur Verurteilung des Chefarztes der Essener Universitätsklinik Christoph Broelsch und zur de-facto-Auflösung des islamistischen Vereins HDR – Organisation für Würde und Rechte des Menschen. Von 2012-2023 war er Leiter des Bereichs Marketing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DRV Knappschaft Bahn See. Veröffentlichungen zur Parteiengeschichte, zur Geschichte der DDR und des Verfassungsschutzes.
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Kursinformationen

Kursnummer

A1122-004

Datum

Do 26.11.2026

Uhrzeit

19:00 - 21:00 Uhr

Dauer

1 Termine

5,80 €

60 vorrätig